Montag, 30. September 2013

„California knows how to party…“

quakt es aus den Boxen. Paahhh! 2pac, deine Lügen haben dich den Kopf gekostet. Jeder weiß, Frankfurt knows best. Wie war meine Abschiedsparty Nimmerland? Ich hoffe doch der Korn, versüßt durch die Tränen des Abschiedsschmerzes, hat gemundet und ran fleißig und feucht in den trockenen Kehlen. Ich hatte tatsächlich überlegt dem ganzen Spektakel aus der Ferne via FB/Whatsapp beizuwohnen, aber das erschien mir a) nicht fair und b) wurde ich einfach unsagbar traurig und habe mich so um 21:30 (deiner Zeit) auf den beschwerlichen Weg nach Hause gemacht. Fuck, ich habe einfach vergessen wie anstrengend dieser bekackte Berg ist. Damals bin ich den am Ende singend und mit 30-Kilo-Hanteln im Rucksack hochgejoggt und jetzt am Freitag bin ich keuchend, völlig durchgeschwitzt und halbtot hier zu Hause angekommen. *Japs to the Japsest* Habe mir jetzt vorgenommen hier ganz viel Berghochundrunterzugehen, wechen der Fitness.


Panorama von meinem Berg das ich mit eurer krass geilen panoramafähigen Digicam aufgenommen habe.

 Jedenfalls fiel mir Freitagabend (meiner Zeit) die Trauerdecke auf den Kopf und so bin ich in die „Bar“ von nem Bekannten gegangen und habe doch parallel/zeitversetzt ein bisschen Abschied gefeiert. Ivan hat sich einen Billardtisch zugelegt und so haben „15“ gezockt. Ich peile die Regeln nicht so richtig, aber es können bis zu 5 Leute gleichzeitig spielen und am Ende hab ich Geld gewonnen. Keine Ahnung warum, aber es gefällt mir :) Neben alten Bekannten, gab sich ein ganz spezieller alter Bekannter die Ehre. Nimmerland, erinnerst du dich noch an die Geschichten von schwarz in der Badewanne gebranntem Schnaps und dem köstlichen Honig von Quito und wie beides natürlich zueinander findet und eine teuflische Symbiose eingeht? Also war auch die „Bomba miel“ (der begriff hat sich übrigens wohl wirklich dank mir durchgesetzt) mit von der Partie und am Ende hat sie mir mal wieder gezeigt wer hier das sagen hat. Meinem Magen übrigens auch – du erinnerst dich an mein Willkommensfrühstück?

Ivan, Quito, Daniel und...fuck Namen vergessen die Geld in meine Taschen spielen. 

 Also die letzten zwei Tage mit dem Durchfall des Grauens und der lang ersehnten Grippe im Bett verbracht. Die hatte sich ja in Deutschland die letzten 2 Wochen schon immer wieder angekündigt, wurde aber immer mit Verweis auf den Stress und die Zeitknappheit meinerseits auf später vertröstet. Nun ja und also dann haben sich das frittierte Frühstückshähnchen, das Pinto am nächsten Morgen, der Aufstieg, das Klima und am Ende der Guarro nebst Stress der letzten Wochen, dies Rabauken dann doch noch zusammengetan, beraten und beschlossen die Gute – also die Grippe – doch nicht einfach so außen vor zu lassen und so hat sie mir einen Besuch abgestattet. Heute – zwei fiebrige Tage später – geht’s aber wieder und also werde ich mich gleich wieder daran machen hinabzusteigen um zu schauen was du mir so hinterlassen hast nach meinem Gaunerstück. Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen die ersten 2 Wochen hauptsächlich hier in Palmichal zu verbringen und auszuspannen. Ausspannen schön und gut, aber irgendwie merke ich, dass das Alleinsein, erst wieder gelernt werden muss, bevor es genossen werden kann. Ich bin zwar schon wieder echt so zenbhuddistischdieeigeneMittegefunden-mäßig am Start, aber mir is ein bisschen langweilig. Nachbarn und Bekannte wiedersehen hin oder her…so viel passiert hier ja nun mal nicht. Vielleicht also doch erstmal mal ein paar Tage reisen? Mal gucken. So oder so wollte ich ja ein paar Orte abklappern. Oder doch erstmal noch mal ein bisschen zur Einsamkeit zwingen und wieder dran gewöhnen? Ich erinnere mich nämlich dass ich hier Tage aushalten konnte ohne das etwas passierte und Langeweile eigentlich nie mein Problem war. Es könnte also auch diese Rastlosigkeit der letzten Tage in Deutschland sein, die ich einfach noch nicht geschafft habe abzulegen. So oder so, du wirst es erfahren. Bis dahin: Take care Nimmerland und scheiß auf Kalifornien! Und sorry noch mal…


Nashornkäfer auf meinem Schirm, dem es auch leid tut :(
 

Freitag, 27. September 2013

Me so sorry Nimmerland,

Der Lügenbaron hat wieder zugeschlagen. I guess by now, you have rausgefunden und mas que todo muss ich mich wirklich und aufrichtig für diesen Mummenschanz entschuldigen. Ich hab das nicht einfach für nen guten/schlechten Witz gemacht (Geschmackssache) sondern schlicht und einfach, weil mir der Abschied schwer fällt und fiel. Die letzten Tage waren ohnehin schwer genug, geprägt von Rastlosigkeit und Traurigsein und da dachte ich mir, ich mach nen Frankfurter und verkrümle mich heimlich still und leise. Und du fehlst mir Nimmerland. Ganz echt und wirklich und ohne Spaß, Flachs und in Ernst. Egal was ich die nächsten Monate schreibe, wie lustig es hier ist, welche Abenteuer mir begegnen und Anekdötchen ich zum Besten geben werde, vergiss nicht, dass ich dich wahnsinnig lieb habe und du mir fehlst. Die letzten 2,5 Jahre waren einfach der Hammer und deshalb ist es mir auch tausendmal lieber du bist sauer auf mich, als dass ich deine Trauer ertrage (arrogant nahm ich an du seiest vielleicht ein bisschen traurig.) Tut mir echt leid. Aber ich bin ja ein liebenswertes Persönchen, mir kann man nicht lange böse sein und daher hoffe ich, dass der Ärger verflogen sein wird, wenn ich dann wieder simsalabim auftauche und du dich ein wenig freust. Meine lieben Mitbewohner, die eingeweiht waren btw und mit Vergnügen deinen Groll entgegen nehmen, als Prügelknaben herhalten und wegen verschwörerischer Mittäterschaft auf den Scheiterhaufen gehören, haben mir außerdem – professionell und mit liebe verpackt – ein Geschenk mitgegeben. Und ich darf, kann, will und muss sagen: Ihr seids joa woahnsinnig! Vielen vielen vielen Dank, euch allen, für dieses tolle Abschiedsgeschenk. Ich fühle mich dadurch natürlich noch ein bisschen schlechter einfach so ohne ein Wort verduftet zu sein, aber das ist nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein meiner Scham – die wie du weißt sonst nicht sehr ausgeprägt scheint. Ich weiß, nun bin ich in der Bringschuld und sobald ich verstehe wie solch Hexenwerk von statten geht werde ich – hoffentlich – fleißig Fotos schießen. Danke! Aber um dem Versprechen und der Aufgabe dieses Blogs Rechnung zu tragen, nämlich zu berichten wie es mir ergangen ist, werde ich dies nun tun: Kaum 24 Stunden hier und dieses verdammte Land hat mich schon wieder in seiner Tranquilidad gefangen. Angekommen, erstmal frittiertes Hähnchen bei „Pollo al viajero“ gefuttert und mit Cas runtergespühlt. Direktestens mal dem Magen klar gemacht wer hier die nächsten Wochen das sagen hat. Mal schauen wie er es mir dankt. Nach 2 Stunden aufn Bus warten bin ich nach Palmichal. Das ist der Ort an dem ich letztes Mal gelebt habe (siehe ältere Einträge) und den ich mir für meinen relaxten Start auserkoren habe. Angekommen wars so als sei ich nie weg gewesen. Hier und da wird man gegrüßt, ein kleines Schwätzchen gehalten was man hier wieder zu suchen habe und ein fresco Tamarindo und einen Einkauf später sitzt man im Pick-Up und fährt den Berg hoch zu seinem Häuschen. Die Buckelpiste ist noch buckliger geworden und natürlich zerbreche ist erstmal den Beifahrersitz bei dem ganzen Gewackel. Top Einstand. Es ist strahlender Sonnenschein und irgendwie fällt innerhalb kürzester Zeit der ganze emotionale Stress der letzten Wochen von mir ab. Mein Häuschen ist abgeschlossen und ich kriege die Tür nicht auf. Außerdem gibt es keinen Strom und ehe ich es mich versehe weiß das ganze Dorf bescheid, dass ich wieder da bin und so wird ein kleiner Junge durchs Fenster geschoben und die Tür geöffnet. Jason und Luis kappen die Stromleitung (Extra? Ich weiß es nicht), Nachbarn kommen vorbei und halten einen Plausch und es fängt an zu regnen wie aus Gieskannen. Hmmm, stimmt, da war ja was, das hatte ich vergessen. Regen!! Viel Regen!! Bei so nem Wetter kann natürlich niemand auf dem Dach turnen und die Leitung wieder anbringen und so gebe ich ne Runde Bier aus und wir warten bis der Regen aufhört. Die Erschöpfung schleicht sich mit polternden Siebenmeilenstiefeln von hinten an und erschlägt mich mit ihrer riesen Keule. Ich schlafe ein. Als ich wieder aufwache habe ich Strom, Jason und Luis sind weg, der Kühlschrank läuft, das Bett ist modrig. Guter erster Tag. Der Morgen beginnt mit meinem ersten Gallo Pinto und Tortillas und schon bin ich angekommen. In der Zwischenzeit macht sich eine Horde Wanderameisen über mein Haus her. Kein Witz. Millionen von Ameisen krabbeln in, um, auf und unter meinem Haus. Und das sind die von der fiesen Sorte, die kenne ich. Also hoffen, dass sie weiterziehen und sich nicht hier einnisten. Puuhh, noch mal Glück gehabt. Der Spuk ist vorbei und wenigstens brauch ich mir um Viechzeug die nächsten Tage keine Gedanken zu machen, denn diese Biester sind besser als jeder Staubsauger und haben jeder Spinne, jedem Käfer in meinem Haus den Gar aus gemacht. Fuck, die Monster fallen sogar über Wespennester her und töten Kücken usw. Kein Scheiß! Derweil bekomme ich von unten aus dem Dorf zu hören, dass der Regen gestern wohl doch eher von der heftigen Sorte ist und es kein Wasser gibt. So gefällst du mir Costa Rica. Turbulenzen von Stunde Null and till now not any Fuck was given. Werde mich jetzt mal auf den Weg nach unten ins Dorf machen und gucken was sich so tut in der Welt, dieses hier posten und schauen ob mein Mumpitz nicht am Ende doch aufgeflogen ist. Ich hoffe sehr du feierst trotzdem ganz artig und brav, Nimmerland. Lässt es mir zu Ehre und Liebe ordentlich krachen und vor allem – und das ist eine Mischung aus inniger Bitte und gebrülltem Befehl – trink einen Korn auf mich! Ich mit meinem ersten Glas Tamarindo. der Blick auf mein Häuschen von der Strasse. Außerdem von meinem Häuschen auf die Strasse und zu meinen Nachbarn. :D

Mittwoch, 1. September 2010

gelassenheit und ungeduld

Also da komme ich echt ins krübeln Nimmerland,

grade habe ich einen 8 Stunden Reunionsmarathon hinter mir und ich platze fast vor unverständnis und ungeduld. Ich verstehe das einfach nicht. Da beschwert sich die halbe Welt, dass die Kaffeemesse letztes jahr so scheisse lief und dass man nicht wieder die gleichen fehler machen darf und was machen die Leute: Die gleichen Fehler wieder!

Vor 4 Monaten war ich auf dem ersten von seit dem gefühlten 20 Treffen zu dem Thema und es gibt bisher genau NULL Fortschritt. Und dabei haben die doch einen astreinen Effizienzdeutschen an der Hand, der Kommisionen einrichtet, Pläne macht, ein bisschen Erfahrung mit Organisationsdingen hat und der dazu noch quasi rundumdieuhr ohne Bezahlung arbeitet.

Aber nein, es wird sich weiter um entscheidungen gedrückt und vor allem ganz viel geschwafelt und wenn ich dann mal auf den Tisch haue und sage: So gehts nicht, so kommt nix bei rum und alles wird total improvisiert sein und das wolt ihr ja grade nicht, dann werde ich komisch angeschaut, weil es mir erstens als freiwilliger ja nichtt zusteht und ich zweitens kein Verständnis für die Tico-Sitten zeige.

Und natürlich haben sie ja auch irgendwie recht und eigentlich kann mir das alles ja echt egal sein, aber es kümmert mich trotzdem, vor allem weil ich ja viel arbeit da reinstecke und es einfach frustrierend ist. So frustrierend, dass ich dir jetzt schreiben muss. Ich habe echt das gefühl zu Platzen, sitze da höre mir das geschwafel an und sehe zu wie das den bach runter geht und könnte explodieren. ich bin heute echt zweimal rausgegangen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe diese ganze schaumschlägerei. Hätte am liebsten jedem Tico da mal ne backpfeife gegeben und sie allen ihren Ämtern enthoben. Aber natürlich kann ich das auch alles nicht alleine planen und will das ja auch gar nicht. trotzdem komme ich mir so überflüssig vor und die Zeit so verschwendet. egal, jetzt hab ich mich ja ein bisschen abreagiert.

Die eigentliche Ironie an der sache ist, dass ich heute eine Bewertung von einer Philosophiearbeit bekommen habe und mir mein Prof geschrieben hat, ich soolle weiter meine gelassenheit beibehalten. Hahahaha.

And that is the meaning of lif...

Gute Nacht,

Nimmerland

Mittwoch, 18. August 2010

Lange ists her...

Tja Nimmerland,

war und wird wohl nix mit dem öfter mal kurz melden und um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung woran das liegt. Wird wohl aber eine Mischung aus Faulheit und dem immerwährenden Umstand sein, dass das Internet in so weiter Ferne liegt. Nichtsdestotrotz gibt’s jetzt mal wieder eine längeres Update, jetzt wo ich ein bisschen Zeit habe.

Und warum habe ich Zeit. Weil ich im Wartezimmer der Klinik in Puriscal sitze und darauf warte in den nächsten 3-4 Stunden an die Reihe zu kommen. Ich bin mal wieder überrascht von dem wirklich guten medizinischen Standard in diesem Land. Gerade die Klinik in Puriscal ist hochmodern und wirklich mit allem ausgestattet was das medizinische Herz begehrt. Als Ausländer zahle ich 60 Euro Behandlungsgebühr, wobei Röntgen, Blutbild und sogar Medikamente inklusive sind. Kein Wunder, dass sich so viele Amis bei einem Trip nach Costa Rica mal eben durchchecken lassen, was ja eigentlich nicht sehr fair ist. Auf jeden Fall wirklich gut ausgestattet der Laden, auch wenn das natürlich nicht überall in Costa Rica so aussieht und ich auch schon die eine oder andere Schauergeschichte gehört habe. Aber wenn man sich die Situation auf dem Land in Deutschland anschaut (z.B. Meckpom) dann stellt sich das auch nicht besser dar. In San Jose gibt es hingegen ein halbes Stadtviertel nur mit Kliniken und Ärzten, wobei die meisten davon privat sind. Der medizinische Tourismus in Costa Rica wächst und wächst ähnlich wie in Thailand und vor allem für plastische Chirurgie kommen viele Ausländer nach San Jose.

Also warum bin ich eigentlich in der Klinik? Ich war letzte Woche wieder mal mit Freunden in Nicaragua und wiederzwei Tage mit Boot auf dem Lago Nicaragua nach Solentiname unterwegs. War mal wieder sehr lustig und es wurde gefischt, viel gelacht, relaxt und getrunken. Auf jeden Fall muss ich mir beim schwimmen im See oder auf diesem verdreckten Boot – das hättet ihr mal sehen müssen – was eingefangen. Habe irgendeinen Ausschlag, der sich innerhalb einer Woche über den ganzen Körper verteilt hat. Und weil mittlerweile meine Haut schon blutig aufplatzt und es echt wehtut und ich nicht schlafen kann, hab ich gedacht: Gehst du mal besser zum Arzt. Ist ja das erste Mal für mich hier in Costa Rica und nach einem Jahr kann ich damit dann eigentlich ganz zufrieden sein. Wenn man sich mal anschaut mit was sich die anderen Freiwilligen schon so rumgeschlagen haben, ist so ein bisschen Ausschlag ja noch ganz harmlos. Wenigstens gibt mir das ein bisschen Zeit zum schreiben.

Meine liebe Mutter hat mich darauf hingewiesen, dass sich mein Blog wie eine einzige Party liest, weil ständig vom Trinken und Drogen die Rede sei. Nimmerland, das stimmt natürlich nicht, ganz im Gegenteil. Hier geht es wirklich ruhig zu und z.B. war ich in den letzten 4 Monaten hier in Palmichal zweimal in der Kneipe für ein Bierchen. Aber gerade weil es sonst immer so ruhig ist – bei mir zumindest – und ja auch das Geld echt knapp ist, werden die raren Gelegenheiten zum Feiern dafür exzessiv genutzt. Und da das dann meistens irgendwelche Partys oder besondere Anlässe sind, bleiben mir die eben im Gedächtnis und werden somit als erzählenswert erachtet. Also um der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen: Es wird wenig gefeiert, aber wenn dann viel – falls es jemanden interessiert. Ich will hier ja keine schlechte Reputation aufbauen.

Daher will ich es diesmal auch dabei belassen zu sagen, dass Solentiname wirklich lustig und entspannt und trotzdem auch irgendwie anstrengend war. Außerdem habe ich meinen Geburtstag gefeiert und das war wirklich sehr lustig, denn auch wenn ich alle Leute eingeladen hatte, hätte ich nie gedacht, dass auch wirklich fast alle kommen. Naja, so waren also auf einmal 25 Leute bei mir im Haus und so wurden Matratzen und Decken aus der Lodge „geliehen“. Und da ein paar schon früher kamen und ein paar noch länger blieben, war das ein wirklich schöner und entspannter Geburtstag und ich kann mich nur bei Allen bedanken, die sich da auf den weiten Weg gemacht haben und auch bei denen, die aus der Ferne an mich gedacht haben.

Ansonsten war der letzte Monat irgendwie ruhig, vor allem weil mein Chef im Urlaub war. Habe trotzdem ein bisschen was von meiner To-Do-Liste streichen können, ein paar Übersetzungen gemacht, die Mailbeantwortung des Vereins übernommen, Bänke und Tische gestrichen, einen alten gusseisernen Ofen restauriert, mit dem Bau des Kompost begonnen und natürlich auch weiter in der Lodge geholfen und meinen Deutsch- und Englischkurs gegeben. Trotzdem war es ein ruhiger Monat und so war ich doch irgendwie froh, als mein Chef wieder kam, zumal mit gefüllten Taschen. So wurde mein August mit Pumpernickel, Landjäger und Löwensenf eingeleitet, was mir wirklich eine dicke Portion Heimweh beschert hat. Und trotz des Heimwehs habe ich mittlerweile das Gefühl auch in Palmichal richtig angekommen zu sein und das will ich euch anhand zwei kleiner Erlebnisse des letzten Monats schildern.

Ihr wisst ja nun, dass ich wirklich auf dem Land wohne und zwar sowas von im Nirgendwo, dass es purer fast nicht mehr geht. Und so hab ich mir an einem freien Samstag ein Frühstück gemacht, wie ich es frischer noch nicht gegessen habe. Habe mich morgens auf den halbstündigen Weg zur Käserei auf dem Berg gemacht und frischen Käse und frische Eier gekauft – und ich meine wirklich frisch, also gerade gemacht. Bei meinem Nachbarn habe ich mir Milch bestellt und auch das heißt, ich habe neben der Kuh gewartet, während er mir einen Liter Milch frisch „gezapft“ hat. Dann habe ich mir ein Pinto gemacht mit Kräutern aus meinem Garten und frisch gekochten Bohnen, Rührei, Tortillas, Käse und lecker Kaffee. Dann habe ich mich mit diesem köstlich frischen Mahl auf die Bank vor mein Haus gesetzt, mich von den Sonnenstrahlen wärmen lassen, die durch den Morgennebel brachen, habe die Schmetterlinge in meinem Garten beobachtet und dem Bach zugehört, der durch mein Grundstück plätschert. Und das war alles in allem wirklich ein Moment tiefster Zufriedenheit und persönlichen Glückes.

Das zweite Erlebnis hatte ich zwei Wochen danach. Einer meiner Nachbarn ist Hobbie-Imker und da mich das sehr interessiert, hat er mich eingeladen mir das alles zu zeigen. Er hat neben den typischen italienischen Bienen auch noch ganz viel andere Wild- und Waldbienen die nicht stechen. Die niesten meist in alten Baumstämmen und Er nimmt den Stock, siedelt ihn um und nimmt ihn nachts mit nach Hause, wenn alle Bienen schlafen. Auf jeden Fall haben wir zusammen zwei Bienenstöcke geöffnet, ein paar Waben mit dem Messer entfernt und den Honig frisch aus den Waben getrunken. Es ist nicht nur so, dass der Honig durch die verschiedenen Blüten anders schmeckt, sondern auch, dass die unterschiedlichen Bienenart unterschiedliche Geschmäcker produzieren. So war der eine Honig golden und zäh und hatte ein Zitrusaroma und der andere ganz klar und dünnflüssig mit einem ganz unbeschreiblichen Geschmack. Ehrlich habe selten so etwas frisches und köstliches gekostet und hoffe das nochmal wiederholen zu können. Das ist wirklich ein krasses Erlebnis: Die Bienen schwirren um einen herum. Man hat einen Wachskelch bis oben hin mit Honig gefüllt und allesklebt und tropft und es ist einfach großartig. Mein Nachbar vermischt den Honig mit selbstgebranntem Schnaps und das schmeckt dann wie Mett, nur ein bisschen stärker und da die Gallone (DIE GALLONE!!!!) nur 12 Dollar kostet, habe ich gleich mal zwei für die nächste Party geordert. Also ca. 8 Liter feinsten Honigschnaps für 25 Dollar. Wenn das mal kein köstliches Schnäppchen ist, Prost!

Das waren also meine zwei So-langsam-fühle-ich-mich-hier-zu-Hause Erlebnisse, die ausnahmsweise mal nix mit feiern zu tun haben. Und trotz des Heimwehs und den Schwierigkeiten beim sozialen Neustart habe ich beschlossen nochmal ein halbes Jährchen dranzuhängen und so kannst du mich frühestens im März 2011 zurückerwarten. Dann gibt’s aber ein Wiedersehen, dass sich feiertechnisch gewaschen hat, aber das weißt du ja mein Nimmerland. Bis bald,

Felix

Mittwoch, 7. Juli 2010

Mal wieder Nicalandia und mal wieder Inseln

Hey Schlummerland,

schon ne ganze Weile her, aber ich gehe davon aus, dass du Dank Rundbrief auf dem neusten Stand bist. Was ist denn eigentlich passiert seit dem. Viel und auch wieder nix und daher beschränke ich mich auf die Mitte.

Vor zwei Wochen habe ich mich – mal wieder – auf den Weg nach Nicaragua gemacht. Diesmal allerdings keine Visums-Ausreise, sondern ein Kurztrip mit Freunden und Bekannten nach Solentiname, einem kleinen Inselarchipel im Lago Nicaragua. Wie immer mit den Locos war es mal wieder ein wohlorganisiertes Chaos. Am Sa. irgendwann Nachmittags mit 18 Leuten auf nem Pickuptruck auf den Weg zum Schotterpisten-Grenzübergang nach Papaturro gemacht. Wollten eigentlich abends schon auf den See und die Nacht im Boot verbringen, aber wie immer gab es mal wieder Verspätung du so kein Boot und auch erst mal keinen Schlafplatz. Zum Glück und - wie immer eigentlich –kannte wieder jeder die ganze Welt und so haben wir kurzerhand den Abend und die Nacht auf der Hausbaustelle des Vaters einer Freundin verbracht. Kein Problem, den Schlafsäcke und Hängematten waren zu stelle. Wände gab es noch nicht aber wenigstens ein Dach und mehr braucht man ja nicht. Die Nacht wurde – mal wieder – Gitarre spielend, trinken und feiernd verkürzt und irgendwie schien es um die Aufbruchsmotivation am nächsten Morgen um 5 Uhr nicht gut bestellt. Zu Anfangs zumindest nicht. Das legte sich dann ganz schnell wieder mit den ersten Guten Morgen Bieren und Schnäpsen und einmal mehr zeigte sich was für eine versoffene Truppe das doch ist - oder wir doch sind (?). Ich passte erst mal, denn mit Kater, wenig Schlaf und bald knallender Sonne war ich noch nicht wieder in Stimmung für Saufgelage. Auf jeden Fall, betrunken und nicht betrunken machten wir uns auf den Weg und warteten natürlich wieder ne kleine Ewigkeit auf den Onkel einer Freundin, der uns mit dem Boot herumschippern sollte.

Irgendwann waren wir allem im Boot versammelt, der Reis und das Gemüse kochten, die Alkoholreserven waren aufgefrischt worden, die Hängematten aufgehängt und Alle machten es sich auf dem Dach bequem. Zuerst den Fluss runter – wunderschöne Mangrovenlandschaft – und dann raus auf den See. Der Lago Nicaragua ist ja der zweitgrößte Süßwassersee der Welt und so kommt man sich eher vor wie auf einem Meer. Das Bott tuckerte also gemütlich vor sich hin und irgendwann auf der Mitte des Sees springen wir alle ins Wasser und…. Stehen bis zu den Hüften drinnen. Ganz komisches Gefühl. Am Horizont die inseln von Solentiname und man bricht sich fast den Hals beim ins Wasser springen. So wie der Balaton, nur ein bisschen größer. Auf jeden Fall wurde jetzt erst mal gespachtelt, denn nach 2-3 Stunden waren der Reis und das Gemüse für die ganze Truppe auf einer kleinen Gasflamme gekocht endlich fertig. Lecker, würzige Pampe mit Allerlei und Ei dazu. Bei der ersten richtigen Mahlzeit seit 18 Stunden war „Hauptsache satt“ das Wichtigste. Haben dann die Inseln angesteuert, kleine Spaziergänge gemacht, weiter getuckert, immer wieder in Wasser gesprungen und wie kann man es anders nennen als „einfach das Leben und den wunderschönen Tag genossen.“ Irgendwann hab ich mich dann auch wieder der Trinkgesellschaft angeschlossen und als es bei Sonnenuntergang wieder Richtung „Festland“ ging hatten wir fast alle schon wieder ganz gut Einen sitzen. Manche sogar so sehr, dass sie vor der Grenzpolizei versteckt werden mussten, andere so sehr, dass sie beinahe ertrunken wären und wiederum andere so sehr, dass gleich der nächste Trip – länger und mit mehr Leuten - nach Solentiname geplant wurde (unter denen natürlich auch ich).

Naja, auf jeden Fall wieder „heil“ in Papaturro angekommen fing es natürlich schön an zu pissen undwieder auf dem Pickup blieb uns nichts anderes übrig als komplett, aber wirklich komplett nass zu werden – immerhin singend. Keine Ahnung – mittlerweile schon wieder gut dabei – aber irgendwann nachts in Upala angekommen. Was machen? Weiterfeiern! Wo? Bei Daniel! Daniel, mit auf Tour gewesen und einer der Locos denen ich immer und überall über den Weg laufe und zwar meist betrunken. Leider hatte schon alles geschlossen, aber zum Glück kennt wieder irgendwer irgendwen und so wird der Supermarkt nochmal aufgeschlossen und Fleisch und Guarro „beschafft“. Bei Daniel angekommen wurde der Grill angeworfen und auf einmal war schon wieder ein Haufen Leute da und so wurde einfach dort weiter gemacht wo tags zuvor um 15 Uhr angefangen wurde. Es regnete die ganze Zeit weiter und irgendwann kam jemand an und sagte der Fluß würde überlaufen – was häufiger passiert. Das wasser, dass sich dann allerdings seinen Weg durch ganz Upala bahnt, kommt allerdings aus, na ratet mal, genau, aus Bijagua. Auf jeden Fall mussten wir zunächst Sandsäcke schleppen bevor wir weiterfeiern konnten. Das Haus blieb trocken, aber wir standen draußen Knietief im Wasser und haben…natürlich weiter gegrillt und getrunken. War eigentlich ganz praktisch, dass wir alle draußen waren, denn so konnte immer irgendjemand die Sachen raus fischen, die weggeschwemmt wurden und nass bis auf die Knochen waren wir ja sowieso. Irgendwann dann auf den Weg gemacht – oder besser auf den Fluss gemacht –und durchs Wasser zu meiner Schlafstätte bei einer Freundin gemacht. Also alles in allem ein verrücktes und dann doch wieder relativ normales WE hier in Ticolandia.

Grützi,

Felix

Dienstag, 18. Mai 2010

Wo bin ich?

Ich sitze gerade auf der Terrasse meines Projekts. Das Bächlein plätschert, die Vögle kündigen bei noch Sonnenschein baldigen Regen an und ich trinke frischen Kräutertee aus dem eigenen Garten. Heute gab es fast gar nix zu tun und bis auf ein paar Reparaturen und einer Reunion die gleich noch ansteht soll es das auch für heute gewesen sein. Ab morgen wird’s dann wohl richtig stressig, denn dann beginnt die Expotour, eine Tourismusmesse an der mein Projekt teilnehmen wird und auf der ich jeden Tag meine 10 Stunden verbringen werde. Dafür dass das die größte Messe dieser Art im Land ist, ist mein Projekt denkbar schlecht darauf vorbereitet. Ich habe nun ja schon genügend Messen miterlebt und das mindeste wäre, zu wissen wie groß der Stand ist, was man mitbringen muss und was man überhaupt präsentieren will. Da man das alles nicht so genau weiß und auch mein Nachdruck daran nichts geändert hat, lass ich das also mal alles auf mich zukommen. Zumindest habe ich jetzt ein Projekt-Hemd (Plastikfußballtrikot-mit-Projektlogo) und meinem Chef habe ich noch ein paar Visitenkarten gemacht (könnte ja auf einer Geschäftsmesse von Vorteil sein) auch wenn er selbst gar nicht auf der Messe sein wird. Mal wieder typische tico-gurken-planung und ich komme mir mal wieder typisch Opel-Fließband-Deutsch vor. Zum Glück hat man eine Woche vor Messebeginn noch an einem Workshop des Tourismusministerium zum Thema „Messen“ teilgenommen, auf dem man erfahren hat, dass ein erfolgreicher Messeauftritt ca. 8 Monate Vorbereitung erfordert. Ich finde das von beiden Seiten (Projekt und Ministerium) eine ausgezeichnete Idee. Aber mal im Ernst, ich bin wirklich gespannt und hoffe, dass das was wird. Habe mal die Bachgeräusche aufgenommen und hoffe damit ein bisschen auffallen zu können und außerdem ein paar Agenturen unverbindlich zu unserem Stand eingeladen (daran hatte natürlich auch noch niemand gedacht, dass man auf einer Messe ja Geschäfte macht und Kontakte knüpft). Wer weiß, vielleicht kommt ja was bei rum.

Ansonsten schon ein paar schöne Tage hier erlebt. Eine Freundin war ja kurz zu Besuch und was haben wir gemacht. Eigentlich nicht viel. Auf den Berg geklettert – anstrengender als zunächst angenommen – und lecker Pfadfinderfrühstück mit frischem Käse, Eiern, Pinto und Tortillas auf offenem Feuer gemacht. Forelle gefischt und gebraten, ein bisschen im Projekt geholfen, Spinnen gejagt, viel gebabbelt und rumgehangen. Schade, dass sie nur so kurz, schön dass sie überhaupt da war.

Am WE mal den Umstand genutzt so nah an SJ zu sein und für nen Tag hingefahren. Vorher noch mit meinem Chef zum Fußballspiel seines Sohnes gefahren und festgestellt, dass die Spielermütter viel fanatischer und beleidigender sind als die Väter. Mein Chef hat zur Feier des Tages (?) sein altes FDJ-Hemd angezogen, das man ihm 1985 geschenkt hat, als er ein Auslandssemester in der Kaderschule in Kleinmachnow gemacht hat. Oh man! Sa. Abend im Kulturinstitut gewesen, wo es mehrere Zirkusvorstellungen gab unter anderem auch ein Kinderzirkus wo ein Freund von uns arbeitet. Die Kids waren so zwischen 9-12 Jahren alt, hatten es echt drauf und alles in allem scheint das wirklich ein gutes Projekt zu sein. Leider gab es ja auch andere Gruppen und so ist mir von diesem Spektakel nicht mehr im Gedächtnis geblieben als zwei überaus muskulöse Ausdruckstänzer – von denen einer wie ein unglaublich wütender Indianer aussah – die mit einem Sack Eis getanzt, sich auf die Brust gespuckt haben und sich die Hand den Mund steckten, die vorher noch im schwitzigen Schritt steckte. Und bei aller Grazie und artistischer Bewunderung fallen mir dazu nur diese 5 Worte ein: Der Wolf, das Lamm, Hurtz.
Später dann mit vielen Leuten in der Chicha und noch später nochmal in der Cali gewesen (zwei Straßen in SJ wo immer ein Haufen Leute draußen sitzen und das fast wie Berlin-Mitte bzw. Prenzlberg ist. Zumindest vom Stylo-Faktor) und Max und ich haben uns mit aufgemalten Stempeln auf ein Ska-Konzert geschlichen. War ganz lustig, aber das beste war eindeutig, die 20 Oi!-Skins, die bei der Aftershow-Disco richtig heftig zu Shaggys „Mr. Bombastic“ abgegangen sind. Das hat sich eingebrannt. Am nächsten Morgen hat einer von Max‘ Mitbewohnern nen Flashmob organisiert, der „die Freiheit der Kunst“ hieß. Alle sollte im Parque Central in Herredia, nach der Kirche ihre Schuhe ausziehen (laut Frank das Symbol zur Sprengung der Ketten der Konventionen – hihihi) und irgendetwas künstlerisches machen. Im Endeeffekt kam das wie eine große Street-Performance rüber und von Diabolo, über Tanz, Gitarren, Saxophon, Geige und Jonglage war alles an Kunst vertreten und auch ganz lustig. Ich stand mit meiner deutschen-HipHop-Darbietung ein bisschen am Rande, was Frank sehr gefallen hat, denn „Rap wird in der Kunst ja immer marginalisiert“ und darauf hätte ich aufmerksam gemacht. Am Ende alle Flashmobber noch ein Bierchen gedrunken und dann im strömenden Regen wieder ab nach Hause, wo ich dann noch die Hotelbetten abgezogen habe. Also Business as usual und ein lustiges WE gehabt und ich muss sagen, ich bin richtig froh in meine neues Projekt gewechselt zu haben.

Die Woche werde ich erst mal ganz geschäftig tun, melde mich aber bald wieder bei dir liebes Nimmerland. Bis dahin halt die Ohren steif und sei gedrückt.

Felix

Samstag, 8. Mai 2010

Neuanfang....

Dear Nimmerblog,

Also bin ich jetzt schon/erst 5 Tage in Plamichal oder besser gesagt in San Pablo, denn Plamichal ist ungefähr ne Stunde Fußweg entfernt. Ich bin diesen verdammten Weg nun schon dreimal gelaufen und das ist echt kein Zuckerschlecken. Das erste Mal mit ca. 20 Kg. Einkäufen bei sengender Hitze. Das zweite Mal in strömendem Regen. Und was gibt es seitdem zu berichten? Ich bin in ein Haus gegenüber meinem neuen Projekt gezogen und im Gegensatz zu meiner liebgewonnenen Bruchbude in Bijagua lebe ich nun sozusagen in einem Schloss. Das Haus ist in etwa genauso groß wie mein altes aber es hat gefliesten Boden und eine richtige Küche mit Kochzeugs drinnen ein Sofa, dass nicht auseinanderfällt, und zwei Bäder mit richtig richtig warmem Wasser und drei Schlafzimmer mit insgesamt 8 Betten. Was ein bisschen stört ist der ganze Tico-Kitsch: rosa Vorhänge, gerüschtes Bettzeug, Nippes im Regal und kitschige Bilder an den Wänden. Ausserdem hat meine vermieterin sich gedacht: Damit sich die Touris hier zu Hause fuehlen, haenge ich mal ein paar meiner Hochzeitsbilder auf. Vielleicht wird das alles nach und nach in einer großen Kiste verschwinden – mal schauen. Meine Hängematte hängt bereits im Garten und man hört keine Lastwagen die die ganze Nacht das Haus erzittern lassen, sondern einzig und alleine das kleine Bächlein, das durch mein Grundstück plätschert. Also was soll ich sagen: Es ist wirklich ein kleines Paradies und ich fühle mich sehr wohl in dieser gottverlassenen Abgeschiedenheit. Ich zahle so viel wie für mein altes Häuschen und habe schon wirklich ein kleines schlechtes Gewissen ob dieser phänomenalen Verbesserung, weil all meine Nachbarn waschechte Campesinos sind und mit der ganzen Familie in kleinen Holzhäusern wohnen. Aber fairerweise muss man sagen, dass mein Haus – eigentlich so ein Ferienhäuschen – das einzige freie in der näheren Umgebung war. Entweder jeden Tag 2 Stunden Fußmarsch oder eben das beste Haus am Platz. Wie hättet ihr entschieden? Auf jeden Fall ist auch hier wieder jede Menge Platz und diesmal sogar jede Menge Betten für Besuch und das ist und war mir ja schon immer wichtig.
Und das neue Projekt? So viel kann ich noch nicht darüber sagen, aber auf jeden Fall liegt Arbeitsduft in der Luft und das freut mich. Nacientes Palmichal ist ja eine Mischung aus Lodge, Tagungszentrum und Bildungseinrichtung und irgendwie blicke ich da noch nicht so ganz durch. Mein Chef macht auf jeden Fall erstmal eine sehr netten, wenn auch etwas verwirrten Eindruck. Ein Mann mit vielen Visionen dem aber auch leider etwas heimtückisches anhaftet. Schon nach drei Tagen habe ich angefangen etwas in der Gerüchteküche zu stochern und ich versichere euch, ich werde – my dear Watson- dem ganzen ganz gehörig auf den Grund gehen. So wie es aussieht ist mein Chef nur ca. einmal die Woche im Projekt – zumindest wenn keine „Gäste“ da sind – und ich weiß noch nicht so genau, was ich davon halten soll. Auf jeden Fall gibt es so etwas wie eine Hausdame –Vivian - mit der ich mich schon echt gut verstehe, die meine Vermieterin ist und die immer irgendwas an Arbeit für mich hat. Bereits abgeharkt: Telefone installiert, Spüle repariert, Wanderwege mit Machete von Gestrüb befreit – dabei in den Finger geschnitten - , Schaufelmit neuem Stiel versehen, an einer Wir-pflanzen-1500-Bäume-Versammlung teilgenommen (werde einen Flyer entwerfen). Die nächsten Tage kommt ne riesen Kindegruppe für ein Öko-Seminar und ich helfe bei der Betreuung, am Mo. fahre ich zu einem Workschop über ländlichen Tourismus und in zwei Wochen ist eine einwöchige Tourismusmesse bei der ich wohl die ganze Zeit auf unserm Stand arbeiten werde. Ihr seht also, es scheint eine Menge zu tun zu und ich freue mich riesig drauf.

Nicht so toll geht’s mir mit meinem Abschied aus Bijagua, denn ich vermisse mein Leben, die Leute im Ort und vor allem meine Freunde. Die letzten Tage dort waren wirklich strange. Es war das gleiche Gefühl als ich damals Berlin verlassen hatte; irgendwie fühlte sich das nicht richtig an. Gerade zum Schluss habe ich noch ein paar wirklich schöne Dinge dort erlebt. Z.B. war meine Abschiedsfeier wirklich lustig und zumindest ich war unglaublich betrunken (Wodkamelone). Wobei, eigentlich waren alle ziemlich betrunken.  Ich habe echt nochmal sehr nette Leute in Bijagua kennengelernt und dabei noch gleich einen Haufen neue Billard-Regeln. Außerdem eine Bar gefunden in der es zu jedem Bier einen s.g. Boca gratis gibt. Das ist ein Minisnack in einer kleinen Schüssel – quasi ein Happs(Weiße Bohnen oder Ceviche oder Schweinefuss-Suppe). Großartig und köstlich und ich weiß wirklich nicht warum wir keine Bocas in Deutschland haben. Ausserdem waren am Ende noch eine Meneg Leute zu Besuch. Nicht nur fuer meinen Abscheid sondern auch sonst waren ein Haufen Leute da und auch meine Freunde hatten alle irgendwie besuch und so ist aus Bijagua moch eine richtig cosmopolitisches Kaff geworden. Wie auch immer, der Abschied fiel mir richtig schwer und auch wenn die ganzen neuen Eindruecke gar nicht so viel Platz fuer trauer lassen, werde ich Bijagua doch sehr sehr vermissen und mal wieder ein neues zu Hause zu meiner Liste hinzufuegen.

Wenn man so viele nette Leute auf der Welt kennen lernt ist das tolle daran ja, dass man immer wieder Gruende hat zurueck zu kommen. Das dumme ist nur, dass es immer schwieriger wird an alle orte zurueckzukehren und dann noch neue kennen zu lerenen. Ich hoffe das kappt mit Bijagua....