Dienstag, 15. Oktober 2013

Solo, solo ,solentiname


Kathya, Gonso und ich auf der PickUp-Ladefläche
Konkurrenz bekommen Nimmerland? Nein, keine Angst. Ein bisschen vielleicht. Solentiname heißt die Gute und ist ein Archipel im Nicaraguasee. Wir hatten schon öfter das Vergnügen in der Vergangenheit und ich hatte mucho ganas da noch mal hinzukommen. Und da ich Freunde im Norden besuchen wollte, eine Freundin Verwandtschaft an der Grenze und einen Onkel mit Boot hat dachte ich so bei mir…









Nicaraguanische Grenzsoldaten am chillen 

Aber irgendwie hat sich viel verändert. Der Freundeskreis ist nicht mehr der Gleiche, Leute arbeiten und haben keine Zeit, haben ihren Job verloren und deshalb kein Geld, sind weggezogen oder verschollen und irgendwie sollte es nicht sein, dass sich die „alte clique“ wieder zu dispichosen Abenteuern zusammenfand. Nur ein ganz kleiner Teil tapferer Recken der alten Garde stellten sich ein (Kathya, Gonso, Arturo und Ich). Kathya eine verrückte, impulsive und explosive kleine Nica/Tica hatte zum Glück noch ein paar Leute aufgetrieben und so waren wir dann doch irgendwie 10+ Leute.





Unser "Barco" von innen mit El Tio Capitan am Ruder.

Ich hab noch die zwei neuen Freiwilligen meiner Exorganisation eingepackt und so konnte es also losgehen. Arturo mitzunehmen entpuppte sich als schwierige Entscheidung, denn seit einem Jahr leidet er an schweren Psychosen, hat krasse soziale Aussetzer, Absenzen und ist irgendwie nicht er selbst. Aber es wäre unfair gewesen ihn auszuschließen und so versprachen wir seiner Mutter auf ihn aufzupassen, was wir auch wirklich taten. Es gab allerdings doch ein paar skurrile Situationen, von denen hier noch die Rede sein soll.
Unser "Barco" von außen.

 Also um 8 Uhr morgens mit Sack und Pack auf den PickUp-Truck und los geht die Fahrt ins Spassgewisse. An der Grenze erstmal Palaver. Es ist nur ein kleiner Grenzposten und im Prinzip reist man nur nach Nicaragua ein, aber nicht aus Costa Rica aus. Kathya kennt die halbe Welt und obwohl sich der Preis in den letzten drei Jahren verdoppelt hat (man zahlt nun 14$ für die Einreise) geht alles ganz schnell und weil der Grenzbeamte heute Geburtstag hat bekommen wir noch nen ordentlichen Schluck „Flor de Canas“ geschneckt (Nicaraguanischer Rum der yummyklasse).
 Kathays kleine Schwester und ihre Freundinnen.
 Allerdings machen die Soldaten (ungleich Grenzbeamten) Stress und eine jetzt schon total besoffene Kathya und ein böse vor sich hin stierender Arturo machen die Sache nicht besser. Es verzögert sich also alles. Vor allem weil ein Teil unserer Truppe als „Schülerausflug“ deklariert wurde, damit sie nicht zahlen müssen. Das glauben die Soldaten nicht. Zu Recht, wenn man sich unseren Zustand anschaut. Zum Glück bemerkt niemand dieses grandiose Foto, denn eigentlich darf man Soldaten nicht fotografieren und da kann schon mal ganz schnell die Kamera zu Bruch gehen. Außerdem zum Glück kennt dann irgendwer, irgendwen mit Einfluss und so dürfen wir doch von dannen.
Marco Polo y Magelan
Kathyas Onkel ist der Capitan unseres Vertrauens und hat uns schon oft mit viel Geduld, Know How und Tranquilidad ertragen und umhergeschippert. Die Hängematten werden montiert, der Rum macht die Runde. Mittlerweile hat die Marke gewechselt. Die Reise war eh schon teuer und Flor de Cana kann sich ja nun wirklich keiner mehr leisten also gibt’s „Ron plata“ zu 0,80$ der halbe Liter :) Den Fluss entlang, bis sich nach einer halben Stunde der See vor einem öffnet und am Horizont die Inseln von Solentiname auftauchen. Die Sonne bruzzelt, der Wind bläst, die Frisur hält
Arturo am Träumen
 Wir wissen von einer Fiesta auf einer der Inseln und so geht’s straight zum Place to be des gesamten Archipels für diese Nacht. „Indio viejo“ für alle. Eine Pampe (Knetkonsistenz) aus Maisbrei, stundenlang gekocht, mit Fleisch und Gemüse. Sieht komisch aus, schmeckt köstlich. Kochbananen und Käse dazu. Der „Patron“ der Insel gibt einen aus. Tona, das hiesige Bier fließt in rauen Mengen und ist leider auch das einzige was es überhaupt in dieser idyllischen Einöde zu kaufen gibt. Es fängt an zu regnen, weshalb das Stierrodeo (leider keine Fotos von der Party) immer wieder unterbrochen wird und wenn dann im Schlamm fortgeführt wird. Ein Stier – samt Reiter – zermalmt das Gatter und da es eh langsam dunkel wird, werden die restlichen toros auf die Weide entlassen. Die Party kann beginnen. Arturo ist überfordert und streunt auf der Insel rum. Alt und Jung schiebt sich unterm Dach des Gemeindehauses zusammen – ein Wellblech auf 4 Pfählen. Riesige Boxentürme ragen auf, ein Stroboskop wird angeworfen und im 30min Takt wird zwischen Ranchero, Salsa, Merengue, Reggeaton und Elektro gewechselt. 
"Barco" at its best

Mal wieder unendlich verblüffend, wie sehr – Stereotype hin oder her – schon die kleinsten der Kleinen den Rhythmus im Blut haben. Und drei ungelenkige Deutsche die alle überragen mittendrin. Irgendwann verlassen wir die Feier, bzw. verlagern sie auf unser Boot, lassen uns auf den See treiben und so neigt sich der Tag dem Ende. Mitten in der Nach wacht Arturo schreiend neben mir in der Hängematte auf, völlig orientierungslos. Verdammt wir sind auf nem scheiss Boot! Ich steige mit ihm aufs Dach und irgendwie beruhigt er sich wieder. Das geht mir echt nah diesen Kerl, den ich vor vielen Jahren so lieb gewonnen habe so zu sehen. Verdammte Drogen, verdammte preza, verdammtes Upala. Am nächsten Morgen schippern wir von Insel zu Insel, lassen es uns gut gehen, decken und mit neuem Rum ein und verschlendern den Tag, bevor es wieder in „heimische“ Gefilde geht. 
Von Insel zu Insel schippern
 Irgendwie hat sich alles richtig und schön angefühlt, ich hatte Spaß und die ganze Szenerie des Archipels ist einfach atemberaubend. Und trotzdem – wie eigentlich die ganzen letzten 3 Wochen – ist irgendwas anders. Irgendwas fehlt. Natürlich ist es nicht mehr das Gleiche, die „alten Zeiten“ kann man nicht einfach so herbeizaubern, und verklärte Erinnerungen vernebeln die Realität. Und obwohl ich mir das auch ständig bewusst mache und eben trotz der ganzen Schönheit, des Wiedersehens und meiner tollen Zeit die ich auch jetzt wieder habe, bleibt immer irgendwie ein Tropfen Wehmut hängen, der sich dann auch noch mit einer kleinen Heimwehträne mischt. Nach einer weitern Nacht bei Freunden, die ich zum Glück ohne alkoholische Blessuren überstehen konnte ging es wieder nach San Jose. Es war seltsam denn Silvia, die Mutter von Gonso und Arturo, ist eigentlich voll die brave und eher abstinente Frau und wollte aber unbedingt, dass wir Sonntagabend noch mit ihr einen drauf machen. Sie hatte extra Leute eingeladen, Alkohol gekauft usw. und war regelrecht enttäuscht, dass wir drei mit einem Verweis auf die letzten 30 Stunden ablehnen mussten. Seltsamheiten wo ich gehe und stehe. 
Und wo es gefällt, da bleibt man einfach
 Nun also wieder in San Jose, wo mit meinem Spanischkurs der Ernst des Lebens wieder losgeht. Aber davon demnächst mehr. Gute Nacht Nimmerland, was immer du sein magst.    


Mittwoch, 9. Oktober 2013

„Wanna buy Ganja, Nevaland?“



Ähhh, nee danke. Ausnahmsweise nicht – echt nicht. Hört sich zwar nicht nach mir an, aber detoxmäßig wie ich grade drauf bin muss das jetzt nicht sein. Jedoch will ich das Pferd nicht von hinten aufzäumen. Also zurückspulen…

…liuzbodctbfoazöizbxödo…Wie ein schlechter Döner immer noch ein guter Snack ist, ist ein schlechter Irving immer noch ein gutes Buch …osbozxonsozoxsnhmsjl8znrornz… Stimmt ja, Waschbären haben ja in Deutschland eigentlich nichts zu suchen und es ist völlig in Ordnung sie hier anzutreffen und nicht umgekehrt ….osnciramomlcigisloihfg... Wenn man Sand vom Strand im Bett hat, fühlt es sich an als würde man auf Sandpapier schlafen …nzsagrkwlzgemw… Warum schmecken Rice & Beans so anders und irgendwie besser als Reis mit Bohnen? ...luiböubsöbdrcebliqernlqc…Wenn man als Lehramtsstudent schon keine Lehramtsstudenten mochte, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man als deutscher Tourist auch keine deutschen Touristen mag …luenqxperqrqrxobqqr8rqeobxq… Ich hab ja echt ein gebärfreudiges Becken und würde daher niemals auf die Idee kommen mich im Bus neben ein Big Bottom Girl zu setzten, denn das keept making my rocking world nämlich so was von nicht go arround. Weißtewieischmein? Scheint umgekehrt allerdings überhaupt nicht der Fall zu sein.

Und damit sitze ich also im Bus Richtung Cahuita/Karibik, wo ich vor drei Jahren schon einmal das Glück hatte mit meiner lieben Freundin Kati verweilen zu dürfen. Mir ist in meinem beloved Palmichal ein bisschen die Decke und auch der Himmel auf den Kopf gefallen. Noch ist die Regenzeit nicht vorbei und ab 14 Uhr regnet es einfach täglich und irgendwie bleibt einem da nichts anderes übrig als zu Hause mit Videos und Büchern zu versacken. Zwar ganz schön aber auf die Dauer zu sehr Grübelmonster und das Heimweh ist noch nicht ausgestanden. Klar, Nachbarn und Freunde hier wiederzusehen ist schön aber schon nach 10 Tagen fühlt es sich nach same old same old an. Was soll auch schon groß passieren in diesem Kaff. Also habe ich beschlossen mich vom regnerischen Leben und stressigen Socializing auf meinem Berg zu erholen und ein paar Tage in die Karibik zu fahren – Hahaha, geschrieben liest sich das noch viel alberner. Also auf nach San Jose und so laufe ich voller Vorfreude zum „Terminal de Caribe“ nur um festzustellen, dass sich Zeiten ändern und Busterminals offensichtlich auch. Also noch mal quer durch die Stadt. Bus verpasst. Guter Start. Ach ja, die Brücke wurde weggespült? 2 Stunden länger dadurch? Hmmm, einen Bus später,  2 addieren, 3-4 im Sinn, nach Adam Riese, okay passt noch.

Scheiße man, 12 Stunden brauch ich in die verfluchte Karibik, davon sitze ich 8 Stunden in diesem Kackbus. Und neben mir diese culo grande mamacita. Ich meine wir reden hier von a whole lotta chunk in the trunk. Baby got back and shit. Klar ich könnte mich auch umsetzen und mir nen dünnen Sitznachbarn suchen. Aber ey, mein fetter Arsch saß zuerst auf den beiden Sitzen und somit war es eine Frage der Ehre, des Prinzips oder Stolzes whatever. Wir bleiben beide sitzen und es ist eng, sehr eng. Und heiß, sehr heiß. Egal, ich hab gewonnen. Meine Knie und mein Rücken haben verloren. Dann noch diese Gruppe von Deutschen im Bus. „In welchem Hostel seid ihr?“ „Ach da!?“ – Verdammt da wollte ich auch hin – „Nee, ich weiß es noch nicht, aber wahrscheinlich woanders.“ – Danke fürs Gespräch.

Jimmy hat ein paar Cabinas, 30 Sekunden vom Strand entfernt. Er wartet am Terminal auf Touris. Off-Season und 10 $ Dollar für Einzelzimmer mit eigenem Bad und Küchennutzung, da kann man nicht meckern. Er ist ein großer gemütlicher Kreole, spricht nicht viel aber erzählt ein bisschen von Cahuita und dass es dem Ort nicht gut geht. Ich sehe es. Viele Hostels und Cabinas und 50% geschlossen. Grundstücke und Häuser zu verkaufen. Schlussverkauf im Paradies. Eigentlich ein schönes kleines Fleckchen Erde. Der Strand gehört zum Nationalpark und ist groß und weiß. Nicht zu voll aber nicht menschenleer. Viele Tagestouristen aus dem Valle Central. Ein paar Ausländer. Das typische Tourizeug aber irgendwie verschlafen und niemand der dir die ganze Zeit versucht was anzudrehen – außer Grass. Wenn doch dann auf Englisch und man wird freundlich in Ruhe gelassen wenn man auf Spanisch antwortet. Nachts Reggae und Cocktails aber um 23 Uhr sind auch die wenigen Touris von der Strasse und der Ort legt sich schlafen. Die Farbe blättert von den typischen Holzhäusern mit der Veranda. Die Schule übt für die Parade am Kolumbustag. Jugendliche cruisen auf alten Fahrrädern durch die Strassen. Ich gehe viel essen und gönne mir was. In der Mittagshitze (35°C) versucht sich niemand zu bewegen. Es gibt ein paar „größere“ Hotels, die fehl am Platz wirken. Wer will hier „Luxusurlaub“ machen? Der Pool ist leer. Wirkt ein bisschen halbherzig alles, aber vielleicht ist es auch die Off-Season. Mir aber egal. Von der Hitze um 8 Uhr geweckt werden und erstmal ne Runde schwimmen gehen, Kokosnussschlürfen zum Frühstück sounds like the sweet life. Manchmal denke ich, ich müsste so backpackermäßig mich mit Leuten unterhalten, Freunde machen, Buddy up und what not. Und dann sitze ich da, esse mein Rice & Beans, lese, schaue dem gemütlichen Treiben auf der Strasse zu und denke: Nnnnaaaaa! Ich habe mir meinen geliebten Irving letzte Weihnachten schenken lassen und seit dem auf den richtigen Moment gewartet. Ich habe ich in meinen kleinen Rucksack gepackt – ich reise mit leichtem Gepäck – und mich wie ein kleines Kind drauf gefreut. Er ist meine Begleitung und an einem Ort mit rar gesäter geistiger Nahrung ein Festmahl. Was soll ich also sagen: Strand, Veranda, Rice & Beans, Calypso, Früchte und guter Kaffee. Dann wieder Veranda, mit Jimmy quatschen, noch mal Strand und immer wieder Irving. Nuff said. Nochmal eine neue Qualität von stressfrei. Da sich der Weg gelohnt haben soll bleibe ich gleich ein paar Tage.

Am Letzten steh ich früh auf, denn ich will vor der Mittagshitze und den Massen in den Nationalpark. Ich habe großes Glück – und ein gutes geschultes Auge natürlich ;) -  denn ich bekomme fast alles an Tieren zu sehen was der Park so zu bieten hat. Waschbären, Weißkopfkapuziner, Schwarze Brüllaffen, Faultier, Tucane und einen riesen Iguana (ey kein Scheiß ich hab noch nie so ein Megavieh gesehen) etc. Ich bleibe noch ein bisschen am Riff und bade. Die Massen bleiben aus und mir begebenen in 4 Stunden 6 Menschen. Nach dem ganzen Nichtstun war das richtig viel Action und so geht mein letzter Tag sehr früh zu Ende. Der frühe Vogel usw. und so sitze ich wieder im Bus Richtung San Jose, diesmal mit genug Platz und in Windeseile und so kommt es mir vor als sei – nicht nur grammatikalisch – kein bisschen Zeit vergangen. 

Hier ein paar Fotos von denen die ich erhaschen konnte:


Ein Minimitglied der Waschbärenfamilie von der ich dachte sie hätte im Dschungel so überhaupt nix zu suchen, sondern gehöre nach Kasseln.


 Eidechse die mit ner Ameise kämpft. Ey kein Scheiß, natürlich hat die Echse gewonnen, aber der kleine Racker hat sich bestimmt 30 sec. tapfer geschlagen. Voll Krass.


Weißkopfkapuziner der enttäuscht ist, dass ich schlauer war als er und meine Sachen außer Reichweite gelegt habe.


Ich mime mittlerweile einen sehr sehr amtlichen Brüllaffenimmitator. 


Blattschneidearmeisen beim Windsurfen.


 !!!Nailed it!!!


 Ein bisschen das Riff zerstören.

Montag, 30. September 2013

„California knows how to party…“

quakt es aus den Boxen. Paahhh! 2pac, deine Lügen haben dich den Kopf gekostet. Jeder weiß, Frankfurt knows best. Wie war meine Abschiedsparty Nimmerland? Ich hoffe doch der Korn, versüßt durch die Tränen des Abschiedsschmerzes, hat gemundet und ran fleißig und feucht in den trockenen Kehlen. Ich hatte tatsächlich überlegt dem ganzen Spektakel aus der Ferne via FB/Whatsapp beizuwohnen, aber das erschien mir a) nicht fair und b) wurde ich einfach unsagbar traurig und habe mich so um 21:30 (deiner Zeit) auf den beschwerlichen Weg nach Hause gemacht. Fuck, ich habe einfach vergessen wie anstrengend dieser bekackte Berg ist. Damals bin ich den am Ende singend und mit 30-Kilo-Hanteln im Rucksack hochgejoggt und jetzt am Freitag bin ich keuchend, völlig durchgeschwitzt und halbtot hier zu Hause angekommen. *Japs to the Japsest* Habe mir jetzt vorgenommen hier ganz viel Berghochundrunterzugehen, wechen der Fitness.


Panorama von meinem Berg das ich mit eurer krass geilen panoramafähigen Digicam aufgenommen habe.

 Jedenfalls fiel mir Freitagabend (meiner Zeit) die Trauerdecke auf den Kopf und so bin ich in die „Bar“ von nem Bekannten gegangen und habe doch parallel/zeitversetzt ein bisschen Abschied gefeiert. Ivan hat sich einen Billardtisch zugelegt und so haben „15“ gezockt. Ich peile die Regeln nicht so richtig, aber es können bis zu 5 Leute gleichzeitig spielen und am Ende hab ich Geld gewonnen. Keine Ahnung warum, aber es gefällt mir :) Neben alten Bekannten, gab sich ein ganz spezieller alter Bekannter die Ehre. Nimmerland, erinnerst du dich noch an die Geschichten von schwarz in der Badewanne gebranntem Schnaps und dem köstlichen Honig von Quito und wie beides natürlich zueinander findet und eine teuflische Symbiose eingeht? Also war auch die „Bomba miel“ (der begriff hat sich übrigens wohl wirklich dank mir durchgesetzt) mit von der Partie und am Ende hat sie mir mal wieder gezeigt wer hier das sagen hat. Meinem Magen übrigens auch – du erinnerst dich an mein Willkommensfrühstück?

Ivan, Quito, Daniel und...fuck Namen vergessen die Geld in meine Taschen spielen. 

 Also die letzten zwei Tage mit dem Durchfall des Grauens und der lang ersehnten Grippe im Bett verbracht. Die hatte sich ja in Deutschland die letzten 2 Wochen schon immer wieder angekündigt, wurde aber immer mit Verweis auf den Stress und die Zeitknappheit meinerseits auf später vertröstet. Nun ja und also dann haben sich das frittierte Frühstückshähnchen, das Pinto am nächsten Morgen, der Aufstieg, das Klima und am Ende der Guarro nebst Stress der letzten Wochen, dies Rabauken dann doch noch zusammengetan, beraten und beschlossen die Gute – also die Grippe – doch nicht einfach so außen vor zu lassen und so hat sie mir einen Besuch abgestattet. Heute – zwei fiebrige Tage später – geht’s aber wieder und also werde ich mich gleich wieder daran machen hinabzusteigen um zu schauen was du mir so hinterlassen hast nach meinem Gaunerstück. Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen die ersten 2 Wochen hauptsächlich hier in Palmichal zu verbringen und auszuspannen. Ausspannen schön und gut, aber irgendwie merke ich, dass das Alleinsein, erst wieder gelernt werden muss, bevor es genossen werden kann. Ich bin zwar schon wieder echt so zenbhuddistischdieeigeneMittegefunden-mäßig am Start, aber mir is ein bisschen langweilig. Nachbarn und Bekannte wiedersehen hin oder her…so viel passiert hier ja nun mal nicht. Vielleicht also doch erstmal mal ein paar Tage reisen? Mal gucken. So oder so wollte ich ja ein paar Orte abklappern. Oder doch erstmal noch mal ein bisschen zur Einsamkeit zwingen und wieder dran gewöhnen? Ich erinnere mich nämlich dass ich hier Tage aushalten konnte ohne das etwas passierte und Langeweile eigentlich nie mein Problem war. Es könnte also auch diese Rastlosigkeit der letzten Tage in Deutschland sein, die ich einfach noch nicht geschafft habe abzulegen. So oder so, du wirst es erfahren. Bis dahin: Take care Nimmerland und scheiß auf Kalifornien! Und sorry noch mal…


Nashornkäfer auf meinem Schirm, dem es auch leid tut :(
 

Freitag, 27. September 2013

Me so sorry Nimmerland,

Der Lügenbaron hat wieder zugeschlagen. I guess by now, you have rausgefunden und mas que todo muss ich mich wirklich und aufrichtig für diesen Mummenschanz entschuldigen. Ich hab das nicht einfach für nen guten/schlechten Witz gemacht (Geschmackssache) sondern schlicht und einfach, weil mir der Abschied schwer fällt und fiel. Die letzten Tage waren ohnehin schwer genug, geprägt von Rastlosigkeit und Traurigsein und da dachte ich mir, ich mach nen Frankfurter und verkrümle mich heimlich still und leise. Und du fehlst mir Nimmerland. Ganz echt und wirklich und ohne Spaß, Flachs und in Ernst. Egal was ich die nächsten Monate schreibe, wie lustig es hier ist, welche Abenteuer mir begegnen und Anekdötchen ich zum Besten geben werde, vergiss nicht, dass ich dich wahnsinnig lieb habe und du mir fehlst. Die letzten 2,5 Jahre waren einfach der Hammer und deshalb ist es mir auch tausendmal lieber du bist sauer auf mich, als dass ich deine Trauer ertrage (arrogant nahm ich an du seiest vielleicht ein bisschen traurig.) Tut mir echt leid. Aber ich bin ja ein liebenswertes Persönchen, mir kann man nicht lange böse sein und daher hoffe ich, dass der Ärger verflogen sein wird, wenn ich dann wieder simsalabim auftauche und du dich ein wenig freust. Meine lieben Mitbewohner, die eingeweiht waren btw und mit Vergnügen deinen Groll entgegen nehmen, als Prügelknaben herhalten und wegen verschwörerischer Mittäterschaft auf den Scheiterhaufen gehören, haben mir außerdem – professionell und mit liebe verpackt – ein Geschenk mitgegeben. Und ich darf, kann, will und muss sagen: Ihr seids joa woahnsinnig! Vielen vielen vielen Dank, euch allen, für dieses tolle Abschiedsgeschenk. Ich fühle mich dadurch natürlich noch ein bisschen schlechter einfach so ohne ein Wort verduftet zu sein, aber das ist nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein meiner Scham – die wie du weißt sonst nicht sehr ausgeprägt scheint. Ich weiß, nun bin ich in der Bringschuld und sobald ich verstehe wie solch Hexenwerk von statten geht werde ich – hoffentlich – fleißig Fotos schießen. Danke! Aber um dem Versprechen und der Aufgabe dieses Blogs Rechnung zu tragen, nämlich zu berichten wie es mir ergangen ist, werde ich dies nun tun: Kaum 24 Stunden hier und dieses verdammte Land hat mich schon wieder in seiner Tranquilidad gefangen. Angekommen, erstmal frittiertes Hähnchen bei „Pollo al viajero“ gefuttert und mit Cas runtergespühlt. Direktestens mal dem Magen klar gemacht wer hier die nächsten Wochen das sagen hat. Mal schauen wie er es mir dankt. Nach 2 Stunden aufn Bus warten bin ich nach Palmichal. Das ist der Ort an dem ich letztes Mal gelebt habe (siehe ältere Einträge) und den ich mir für meinen relaxten Start auserkoren habe. Angekommen wars so als sei ich nie weg gewesen. Hier und da wird man gegrüßt, ein kleines Schwätzchen gehalten was man hier wieder zu suchen habe und ein fresco Tamarindo und einen Einkauf später sitzt man im Pick-Up und fährt den Berg hoch zu seinem Häuschen. Die Buckelpiste ist noch buckliger geworden und natürlich zerbreche ist erstmal den Beifahrersitz bei dem ganzen Gewackel. Top Einstand. Es ist strahlender Sonnenschein und irgendwie fällt innerhalb kürzester Zeit der ganze emotionale Stress der letzten Wochen von mir ab. Mein Häuschen ist abgeschlossen und ich kriege die Tür nicht auf. Außerdem gibt es keinen Strom und ehe ich es mich versehe weiß das ganze Dorf bescheid, dass ich wieder da bin und so wird ein kleiner Junge durchs Fenster geschoben und die Tür geöffnet. Jason und Luis kappen die Stromleitung (Extra? Ich weiß es nicht), Nachbarn kommen vorbei und halten einen Plausch und es fängt an zu regnen wie aus Gieskannen. Hmmm, stimmt, da war ja was, das hatte ich vergessen. Regen!! Viel Regen!! Bei so nem Wetter kann natürlich niemand auf dem Dach turnen und die Leitung wieder anbringen und so gebe ich ne Runde Bier aus und wir warten bis der Regen aufhört. Die Erschöpfung schleicht sich mit polternden Siebenmeilenstiefeln von hinten an und erschlägt mich mit ihrer riesen Keule. Ich schlafe ein. Als ich wieder aufwache habe ich Strom, Jason und Luis sind weg, der Kühlschrank läuft, das Bett ist modrig. Guter erster Tag. Der Morgen beginnt mit meinem ersten Gallo Pinto und Tortillas und schon bin ich angekommen. In der Zwischenzeit macht sich eine Horde Wanderameisen über mein Haus her. Kein Witz. Millionen von Ameisen krabbeln in, um, auf und unter meinem Haus. Und das sind die von der fiesen Sorte, die kenne ich. Also hoffen, dass sie weiterziehen und sich nicht hier einnisten. Puuhh, noch mal Glück gehabt. Der Spuk ist vorbei und wenigstens brauch ich mir um Viechzeug die nächsten Tage keine Gedanken zu machen, denn diese Biester sind besser als jeder Staubsauger und haben jeder Spinne, jedem Käfer in meinem Haus den Gar aus gemacht. Fuck, die Monster fallen sogar über Wespennester her und töten Kücken usw. Kein Scheiß! Derweil bekomme ich von unten aus dem Dorf zu hören, dass der Regen gestern wohl doch eher von der heftigen Sorte ist und es kein Wasser gibt. So gefällst du mir Costa Rica. Turbulenzen von Stunde Null and till now not any Fuck was given. Werde mich jetzt mal auf den Weg nach unten ins Dorf machen und gucken was sich so tut in der Welt, dieses hier posten und schauen ob mein Mumpitz nicht am Ende doch aufgeflogen ist. Ich hoffe sehr du feierst trotzdem ganz artig und brav, Nimmerland. Lässt es mir zu Ehre und Liebe ordentlich krachen und vor allem – und das ist eine Mischung aus inniger Bitte und gebrülltem Befehl – trink einen Korn auf mich! Ich mit meinem ersten Glas Tamarindo. der Blick auf mein Häuschen von der Strasse. Außerdem von meinem Häuschen auf die Strasse und zu meinen Nachbarn. :D

Mittwoch, 1. September 2010

gelassenheit und ungeduld

Also da komme ich echt ins krübeln Nimmerland,

grade habe ich einen 8 Stunden Reunionsmarathon hinter mir und ich platze fast vor unverständnis und ungeduld. Ich verstehe das einfach nicht. Da beschwert sich die halbe Welt, dass die Kaffeemesse letztes jahr so scheisse lief und dass man nicht wieder die gleichen fehler machen darf und was machen die Leute: Die gleichen Fehler wieder!

Vor 4 Monaten war ich auf dem ersten von seit dem gefühlten 20 Treffen zu dem Thema und es gibt bisher genau NULL Fortschritt. Und dabei haben die doch einen astreinen Effizienzdeutschen an der Hand, der Kommisionen einrichtet, Pläne macht, ein bisschen Erfahrung mit Organisationsdingen hat und der dazu noch quasi rundumdieuhr ohne Bezahlung arbeitet.

Aber nein, es wird sich weiter um entscheidungen gedrückt und vor allem ganz viel geschwafelt und wenn ich dann mal auf den Tisch haue und sage: So gehts nicht, so kommt nix bei rum und alles wird total improvisiert sein und das wolt ihr ja grade nicht, dann werde ich komisch angeschaut, weil es mir erstens als freiwilliger ja nichtt zusteht und ich zweitens kein Verständnis für die Tico-Sitten zeige.

Und natürlich haben sie ja auch irgendwie recht und eigentlich kann mir das alles ja echt egal sein, aber es kümmert mich trotzdem, vor allem weil ich ja viel arbeit da reinstecke und es einfach frustrierend ist. So frustrierend, dass ich dir jetzt schreiben muss. Ich habe echt das gefühl zu Platzen, sitze da höre mir das geschwafel an und sehe zu wie das den bach runter geht und könnte explodieren. ich bin heute echt zweimal rausgegangen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe diese ganze schaumschlägerei. Hätte am liebsten jedem Tico da mal ne backpfeife gegeben und sie allen ihren Ämtern enthoben. Aber natürlich kann ich das auch alles nicht alleine planen und will das ja auch gar nicht. trotzdem komme ich mir so überflüssig vor und die Zeit so verschwendet. egal, jetzt hab ich mich ja ein bisschen abreagiert.

Die eigentliche Ironie an der sache ist, dass ich heute eine Bewertung von einer Philosophiearbeit bekommen habe und mir mein Prof geschrieben hat, ich soolle weiter meine gelassenheit beibehalten. Hahahaha.

And that is the meaning of lif...

Gute Nacht,

Nimmerland

Mittwoch, 18. August 2010

Lange ists her...

Tja Nimmerland,

war und wird wohl nix mit dem öfter mal kurz melden und um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung woran das liegt. Wird wohl aber eine Mischung aus Faulheit und dem immerwährenden Umstand sein, dass das Internet in so weiter Ferne liegt. Nichtsdestotrotz gibt’s jetzt mal wieder eine längeres Update, jetzt wo ich ein bisschen Zeit habe.

Und warum habe ich Zeit. Weil ich im Wartezimmer der Klinik in Puriscal sitze und darauf warte in den nächsten 3-4 Stunden an die Reihe zu kommen. Ich bin mal wieder überrascht von dem wirklich guten medizinischen Standard in diesem Land. Gerade die Klinik in Puriscal ist hochmodern und wirklich mit allem ausgestattet was das medizinische Herz begehrt. Als Ausländer zahle ich 60 Euro Behandlungsgebühr, wobei Röntgen, Blutbild und sogar Medikamente inklusive sind. Kein Wunder, dass sich so viele Amis bei einem Trip nach Costa Rica mal eben durchchecken lassen, was ja eigentlich nicht sehr fair ist. Auf jeden Fall wirklich gut ausgestattet der Laden, auch wenn das natürlich nicht überall in Costa Rica so aussieht und ich auch schon die eine oder andere Schauergeschichte gehört habe. Aber wenn man sich die Situation auf dem Land in Deutschland anschaut (z.B. Meckpom) dann stellt sich das auch nicht besser dar. In San Jose gibt es hingegen ein halbes Stadtviertel nur mit Kliniken und Ärzten, wobei die meisten davon privat sind. Der medizinische Tourismus in Costa Rica wächst und wächst ähnlich wie in Thailand und vor allem für plastische Chirurgie kommen viele Ausländer nach San Jose.

Also warum bin ich eigentlich in der Klinik? Ich war letzte Woche wieder mal mit Freunden in Nicaragua und wiederzwei Tage mit Boot auf dem Lago Nicaragua nach Solentiname unterwegs. War mal wieder sehr lustig und es wurde gefischt, viel gelacht, relaxt und getrunken. Auf jeden Fall muss ich mir beim schwimmen im See oder auf diesem verdreckten Boot – das hättet ihr mal sehen müssen – was eingefangen. Habe irgendeinen Ausschlag, der sich innerhalb einer Woche über den ganzen Körper verteilt hat. Und weil mittlerweile meine Haut schon blutig aufplatzt und es echt wehtut und ich nicht schlafen kann, hab ich gedacht: Gehst du mal besser zum Arzt. Ist ja das erste Mal für mich hier in Costa Rica und nach einem Jahr kann ich damit dann eigentlich ganz zufrieden sein. Wenn man sich mal anschaut mit was sich die anderen Freiwilligen schon so rumgeschlagen haben, ist so ein bisschen Ausschlag ja noch ganz harmlos. Wenigstens gibt mir das ein bisschen Zeit zum schreiben.

Meine liebe Mutter hat mich darauf hingewiesen, dass sich mein Blog wie eine einzige Party liest, weil ständig vom Trinken und Drogen die Rede sei. Nimmerland, das stimmt natürlich nicht, ganz im Gegenteil. Hier geht es wirklich ruhig zu und z.B. war ich in den letzten 4 Monaten hier in Palmichal zweimal in der Kneipe für ein Bierchen. Aber gerade weil es sonst immer so ruhig ist – bei mir zumindest – und ja auch das Geld echt knapp ist, werden die raren Gelegenheiten zum Feiern dafür exzessiv genutzt. Und da das dann meistens irgendwelche Partys oder besondere Anlässe sind, bleiben mir die eben im Gedächtnis und werden somit als erzählenswert erachtet. Also um der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen: Es wird wenig gefeiert, aber wenn dann viel – falls es jemanden interessiert. Ich will hier ja keine schlechte Reputation aufbauen.

Daher will ich es diesmal auch dabei belassen zu sagen, dass Solentiname wirklich lustig und entspannt und trotzdem auch irgendwie anstrengend war. Außerdem habe ich meinen Geburtstag gefeiert und das war wirklich sehr lustig, denn auch wenn ich alle Leute eingeladen hatte, hätte ich nie gedacht, dass auch wirklich fast alle kommen. Naja, so waren also auf einmal 25 Leute bei mir im Haus und so wurden Matratzen und Decken aus der Lodge „geliehen“. Und da ein paar schon früher kamen und ein paar noch länger blieben, war das ein wirklich schöner und entspannter Geburtstag und ich kann mich nur bei Allen bedanken, die sich da auf den weiten Weg gemacht haben und auch bei denen, die aus der Ferne an mich gedacht haben.

Ansonsten war der letzte Monat irgendwie ruhig, vor allem weil mein Chef im Urlaub war. Habe trotzdem ein bisschen was von meiner To-Do-Liste streichen können, ein paar Übersetzungen gemacht, die Mailbeantwortung des Vereins übernommen, Bänke und Tische gestrichen, einen alten gusseisernen Ofen restauriert, mit dem Bau des Kompost begonnen und natürlich auch weiter in der Lodge geholfen und meinen Deutsch- und Englischkurs gegeben. Trotzdem war es ein ruhiger Monat und so war ich doch irgendwie froh, als mein Chef wieder kam, zumal mit gefüllten Taschen. So wurde mein August mit Pumpernickel, Landjäger und Löwensenf eingeleitet, was mir wirklich eine dicke Portion Heimweh beschert hat. Und trotz des Heimwehs habe ich mittlerweile das Gefühl auch in Palmichal richtig angekommen zu sein und das will ich euch anhand zwei kleiner Erlebnisse des letzten Monats schildern.

Ihr wisst ja nun, dass ich wirklich auf dem Land wohne und zwar sowas von im Nirgendwo, dass es purer fast nicht mehr geht. Und so hab ich mir an einem freien Samstag ein Frühstück gemacht, wie ich es frischer noch nicht gegessen habe. Habe mich morgens auf den halbstündigen Weg zur Käserei auf dem Berg gemacht und frischen Käse und frische Eier gekauft – und ich meine wirklich frisch, also gerade gemacht. Bei meinem Nachbarn habe ich mir Milch bestellt und auch das heißt, ich habe neben der Kuh gewartet, während er mir einen Liter Milch frisch „gezapft“ hat. Dann habe ich mir ein Pinto gemacht mit Kräutern aus meinem Garten und frisch gekochten Bohnen, Rührei, Tortillas, Käse und lecker Kaffee. Dann habe ich mich mit diesem köstlich frischen Mahl auf die Bank vor mein Haus gesetzt, mich von den Sonnenstrahlen wärmen lassen, die durch den Morgennebel brachen, habe die Schmetterlinge in meinem Garten beobachtet und dem Bach zugehört, der durch mein Grundstück plätschert. Und das war alles in allem wirklich ein Moment tiefster Zufriedenheit und persönlichen Glückes.

Das zweite Erlebnis hatte ich zwei Wochen danach. Einer meiner Nachbarn ist Hobbie-Imker und da mich das sehr interessiert, hat er mich eingeladen mir das alles zu zeigen. Er hat neben den typischen italienischen Bienen auch noch ganz viel andere Wild- und Waldbienen die nicht stechen. Die niesten meist in alten Baumstämmen und Er nimmt den Stock, siedelt ihn um und nimmt ihn nachts mit nach Hause, wenn alle Bienen schlafen. Auf jeden Fall haben wir zusammen zwei Bienenstöcke geöffnet, ein paar Waben mit dem Messer entfernt und den Honig frisch aus den Waben getrunken. Es ist nicht nur so, dass der Honig durch die verschiedenen Blüten anders schmeckt, sondern auch, dass die unterschiedlichen Bienenart unterschiedliche Geschmäcker produzieren. So war der eine Honig golden und zäh und hatte ein Zitrusaroma und der andere ganz klar und dünnflüssig mit einem ganz unbeschreiblichen Geschmack. Ehrlich habe selten so etwas frisches und köstliches gekostet und hoffe das nochmal wiederholen zu können. Das ist wirklich ein krasses Erlebnis: Die Bienen schwirren um einen herum. Man hat einen Wachskelch bis oben hin mit Honig gefüllt und allesklebt und tropft und es ist einfach großartig. Mein Nachbar vermischt den Honig mit selbstgebranntem Schnaps und das schmeckt dann wie Mett, nur ein bisschen stärker und da die Gallone (DIE GALLONE!!!!) nur 12 Dollar kostet, habe ich gleich mal zwei für die nächste Party geordert. Also ca. 8 Liter feinsten Honigschnaps für 25 Dollar. Wenn das mal kein köstliches Schnäppchen ist, Prost!

Das waren also meine zwei So-langsam-fühle-ich-mich-hier-zu-Hause Erlebnisse, die ausnahmsweise mal nix mit feiern zu tun haben. Und trotz des Heimwehs und den Schwierigkeiten beim sozialen Neustart habe ich beschlossen nochmal ein halbes Jährchen dranzuhängen und so kannst du mich frühestens im März 2011 zurückerwarten. Dann gibt’s aber ein Wiedersehen, dass sich feiertechnisch gewaschen hat, aber das weißt du ja mein Nimmerland. Bis bald,

Felix

Mittwoch, 7. Juli 2010

Mal wieder Nicalandia und mal wieder Inseln

Hey Schlummerland,

schon ne ganze Weile her, aber ich gehe davon aus, dass du Dank Rundbrief auf dem neusten Stand bist. Was ist denn eigentlich passiert seit dem. Viel und auch wieder nix und daher beschränke ich mich auf die Mitte.

Vor zwei Wochen habe ich mich – mal wieder – auf den Weg nach Nicaragua gemacht. Diesmal allerdings keine Visums-Ausreise, sondern ein Kurztrip mit Freunden und Bekannten nach Solentiname, einem kleinen Inselarchipel im Lago Nicaragua. Wie immer mit den Locos war es mal wieder ein wohlorganisiertes Chaos. Am Sa. irgendwann Nachmittags mit 18 Leuten auf nem Pickuptruck auf den Weg zum Schotterpisten-Grenzübergang nach Papaturro gemacht. Wollten eigentlich abends schon auf den See und die Nacht im Boot verbringen, aber wie immer gab es mal wieder Verspätung du so kein Boot und auch erst mal keinen Schlafplatz. Zum Glück und - wie immer eigentlich –kannte wieder jeder die ganze Welt und so haben wir kurzerhand den Abend und die Nacht auf der Hausbaustelle des Vaters einer Freundin verbracht. Kein Problem, den Schlafsäcke und Hängematten waren zu stelle. Wände gab es noch nicht aber wenigstens ein Dach und mehr braucht man ja nicht. Die Nacht wurde – mal wieder – Gitarre spielend, trinken und feiernd verkürzt und irgendwie schien es um die Aufbruchsmotivation am nächsten Morgen um 5 Uhr nicht gut bestellt. Zu Anfangs zumindest nicht. Das legte sich dann ganz schnell wieder mit den ersten Guten Morgen Bieren und Schnäpsen und einmal mehr zeigte sich was für eine versoffene Truppe das doch ist - oder wir doch sind (?). Ich passte erst mal, denn mit Kater, wenig Schlaf und bald knallender Sonne war ich noch nicht wieder in Stimmung für Saufgelage. Auf jeden Fall, betrunken und nicht betrunken machten wir uns auf den Weg und warteten natürlich wieder ne kleine Ewigkeit auf den Onkel einer Freundin, der uns mit dem Boot herumschippern sollte.

Irgendwann waren wir allem im Boot versammelt, der Reis und das Gemüse kochten, die Alkoholreserven waren aufgefrischt worden, die Hängematten aufgehängt und Alle machten es sich auf dem Dach bequem. Zuerst den Fluss runter – wunderschöne Mangrovenlandschaft – und dann raus auf den See. Der Lago Nicaragua ist ja der zweitgrößte Süßwassersee der Welt und so kommt man sich eher vor wie auf einem Meer. Das Bott tuckerte also gemütlich vor sich hin und irgendwann auf der Mitte des Sees springen wir alle ins Wasser und…. Stehen bis zu den Hüften drinnen. Ganz komisches Gefühl. Am Horizont die inseln von Solentiname und man bricht sich fast den Hals beim ins Wasser springen. So wie der Balaton, nur ein bisschen größer. Auf jeden Fall wurde jetzt erst mal gespachtelt, denn nach 2-3 Stunden waren der Reis und das Gemüse für die ganze Truppe auf einer kleinen Gasflamme gekocht endlich fertig. Lecker, würzige Pampe mit Allerlei und Ei dazu. Bei der ersten richtigen Mahlzeit seit 18 Stunden war „Hauptsache satt“ das Wichtigste. Haben dann die Inseln angesteuert, kleine Spaziergänge gemacht, weiter getuckert, immer wieder in Wasser gesprungen und wie kann man es anders nennen als „einfach das Leben und den wunderschönen Tag genossen.“ Irgendwann hab ich mich dann auch wieder der Trinkgesellschaft angeschlossen und als es bei Sonnenuntergang wieder Richtung „Festland“ ging hatten wir fast alle schon wieder ganz gut Einen sitzen. Manche sogar so sehr, dass sie vor der Grenzpolizei versteckt werden mussten, andere so sehr, dass sie beinahe ertrunken wären und wiederum andere so sehr, dass gleich der nächste Trip – länger und mit mehr Leuten - nach Solentiname geplant wurde (unter denen natürlich auch ich).

Naja, auf jeden Fall wieder „heil“ in Papaturro angekommen fing es natürlich schön an zu pissen undwieder auf dem Pickup blieb uns nichts anderes übrig als komplett, aber wirklich komplett nass zu werden – immerhin singend. Keine Ahnung – mittlerweile schon wieder gut dabei – aber irgendwann nachts in Upala angekommen. Was machen? Weiterfeiern! Wo? Bei Daniel! Daniel, mit auf Tour gewesen und einer der Locos denen ich immer und überall über den Weg laufe und zwar meist betrunken. Leider hatte schon alles geschlossen, aber zum Glück kennt wieder irgendwer irgendwen und so wird der Supermarkt nochmal aufgeschlossen und Fleisch und Guarro „beschafft“. Bei Daniel angekommen wurde der Grill angeworfen und auf einmal war schon wieder ein Haufen Leute da und so wurde einfach dort weiter gemacht wo tags zuvor um 15 Uhr angefangen wurde. Es regnete die ganze Zeit weiter und irgendwann kam jemand an und sagte der Fluß würde überlaufen – was häufiger passiert. Das wasser, dass sich dann allerdings seinen Weg durch ganz Upala bahnt, kommt allerdings aus, na ratet mal, genau, aus Bijagua. Auf jeden Fall mussten wir zunächst Sandsäcke schleppen bevor wir weiterfeiern konnten. Das Haus blieb trocken, aber wir standen draußen Knietief im Wasser und haben…natürlich weiter gegrillt und getrunken. War eigentlich ganz praktisch, dass wir alle draußen waren, denn so konnte immer irgendjemand die Sachen raus fischen, die weggeschwemmt wurden und nass bis auf die Knochen waren wir ja sowieso. Irgendwann dann auf den Weg gemacht – oder besser auf den Fluss gemacht –und durchs Wasser zu meiner Schlafstätte bei einer Freundin gemacht. Also alles in allem ein verrücktes und dann doch wieder relativ normales WE hier in Ticolandia.

Grützi,

Felix